Überall um mich herum sehe ich
Frauen, die sich neu orientieren, aufbrechen, loslassen. Alle um die 50
in den "Wechseljahren" - und die Männer bereiten sich auf den
"Ruhestand" vor!
Wir Frauen haben heute viele
Möglichkeiten. Finanzielle Engpässe schrecken uns nicht; wir
sind mutig, erfinderisch und erfahren. Wir wollen nicht mehr alles,
sondern das Beste, die Essenz, das was uns gut tut. Wir sind nicht
egoistisch, sondern ziehen andere mit, suchen Mitstreiter/-innen und
Verbündete, aber keine Bremsklötze.
Ich spreche die Vorgesetzten in unserer
Firma an, die mir helfen - und nicht die, die hierarchisch an der Reihe
wären. Eine Freundin sucht sich mit Hilfe von Coaching ihre
Berufung, um aus dem Schuldienst auszusteigen, eine Bekannte fängt
ein neues Leben an - endlich die Scheidung, das Haus verkaufen, einen
neuen Job suchen. Eine andere Freundin möchte die Arbeitszeit
verkürzen, um mehr Zeit für sich zu haben, eine weitere hat
mit 53 einen neuen Lebenspartner gefunden. Allen gemeinsam ist das
Kümemrn um sich selbst - was will ich, was will ich noch vom Leben.
Fühle ich mich wie bald 50? Nein,
sicher nicht. Auch das ist ein Privileg unserer Generation, in der die
Lebensentwicklung nicht mehr chronologisch verläuft wie noch zur
Generation unserer Mütter. Die optische Spannweite kann heute 20
Jahre betragen. Die Lebenswege sind nicht mehr einheitlich, sondern
vielfältig wie nie, je nach Person, Umständen und
Außenwelt. Die Mitte des Lebens bedeutet für immer mehr
Frauen etwas Besonderes: Umbruch, Neubeginn. Die Konsequenzen des
bisherigen Lebens werden - hoffentlich - versöhnlich betrachtet.
Bei mir ist es immer mehr so. Ein wunderbares Buch zu diesem Thema hat Micheline Rampe geschrieben.
Nach einer Krise vor zweieinhalb Jahren
habe ich endlich das Gefühl, mein Leben ordnet sich. Ich beginne
Verantwortung zu übernehmen. Für mich! Ich hänge nicht
mehr an allen möglichen "Rockzipfeln" - an der Mutter, am
Vorgesetzten, an den Meinungen anderer. Es macht Angst so allein, aber
gleichzeitig wächst die Sicherheit stetig. Es bewegt sich etwas,
Entschiedenes, damit ich den Rest meines Lebens genießen kann.
Ordnen, sortieren, wegwerfen, loslassen - innen wie außen - das
ist bei mir im Moment das Wichtigste. Es freut mich sehr, wenn ich jede
Woche eine Tüte voll Müll entsorge und die noch zu
gebrauchenden Gegenstände an Bedürftige gebe. Ich habe mir
ein Bord gekauft, auf das ich nur Herzensdinge stelle. Mal sehen, was
sonst noch übrig bleibt.
Ist es die Gnade der späteren Jahre
zu erkennen, dass alles seine Richtigkeit hatte und hat, dass alles
sich fügt? (...)
Wie war ich früher nach außen
gerichtet. Was habe ich veranstaltet, um "dazu zu gehören." Wozu?
Habe über Witze gelacht, die ich blöd fand, habe bei
Lästereien meinen Mund gehalten, obwohl ich sie unverschämt
fand, habe mich interessant gemacht für Cliquen, die gar nicht
meine waren. Dabei hatte ich schon als Kind meinen eigenen Kopf, konnte
mich gut alleine beschäftigen, war kreativ und wissbegierig. Trug
enge Hosen, als weite mordern waren, hatte lila Gummistiefel und ein
gelbes Outfit, weil es so schön leuchtete. Wurde als in mir ruhend
und stark wahrgenommen. Und trotzdem ...
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