E.: In diesem Buch
vertreten wir den Ansatz, dass Gesundheit mehr ist als ein
reibungsloses Funktionieren der Körpermaschine. Was bedeutet es
für euch, die Gesundung oder Heilung eurer Patienten zu
unterstützen? Was brauchen die Menschen in der heutigen Zeit vor
allem?
T.: Als erstes möchte ich jeden
dazu ermutigen, gesundheitliche Störungen ernst zu nehmen, sie
nicht zu ignorieren nach dem Motto, es ist gekommen, es muss auch
wieder gehen, es geht alles weiter so. Ich bin der Meinung, was sich im
Körper manifestiert hat, braucht auch Aufmerksamkeit.
Ich möchte, dass die
Behandlung zügig Symptome bessert. Wenn jemand akute Schmerzen
hat, ist es mein Ziel, dass die Schmerzen sich schnell bessern. In
einem nachfolgenden Behandlungsschritt beleuchte ich dann durch die
ganzheitliche kinesiologische Behandlung die verschiedenen Ebenen und
Aspekte, die zur nachhaltigen Heilung notwendig sind.
E.: Wie verstehst du dich in deiner
Profession?
T.: Immer mehr als Handwerker! In
den letzten Jahren akzeptiere ich es zunehmend für mich, auch
Handwerker zu sein. Wenn ich - wie in der Osteopathie - effektive
Möglichkeiten habe, handwerklich tätig zu sein, dann nutze
ich sie mit Freude und Dankbarkeit. Am besten funktioniert eine
Behandlung allerdings immer dann, wenn ein Patient bereit ist, auch
andere Ebenen mit anzugucken, wenn er bereit ist, zuzulassen und zu
akzeptieren, was kommt und was vielleicht aufbricht.
K.: Für mich ist der Oberbegriff das
Ganzheitliche oder das Einheitliche. Ich wünsche jedem, dass er in
seinem Leben zunehmend zu seiner eigenen Intuition oder seinen
spirituellen Wurzeln kommt. Ich finde, dass es eigentlich um
Wurzelsuche geht. Um ganzheitlich zu werden und zu wachsen, auch durch
Krisen, vielleicht auch in einer chronischen Krankheit, braucht es Raum
und Zeit. Zum wichtigsten im Leben gehört, sich selber anzunehmen
und angenommen zu werden. Damit kann ich Glück erfahren und nicht
damit, ob etwas wieder repariert ist oder nicht. Durch das
Angenommen-Sein erfahre ich meine eigene Ganzheitlichkeit. Wenn ich von
mir weg bin oder mich selber noch nie gekannt habe - dass ich dann mein
eigenes Selbst entdecke, wiederfinde oder vervollständige. Dazu
gehört natürlich auch die körperliche Gesundheit, aber
das ist ja nicht alles.
E.:
Hast du den Eindruck, dass viele Menschen entwurzelt sind?
K.: Ja.
Zunehmend. Im Prinzip ist ja die ganze Gesellschaft in der Krise. Viele
gucken nur noch auf sich und achten zuallererst darauf, wie sie die
eigenen Vorteile sichern können. Die Globalisierung in der
Wirtschaft bedroht viele Existenzen. Von Familien wird gefordert, dass
sie jederzeit umziehen, um einen Job zu erhalten - das trägt zur
äußeren Entwurzelung bei. Dazu kommt die innerliche
Entwurzelung: Vor fünfzig Jahren waren die Werte konservativ, aber
es waren Werte da, auch spirituelle Werte. Heute gibt es häufig
eine Werte-Entwurzelung. Alles ist schnellebig, und es ist beliebig; es
ist mehr Freiheit da, aber immer weniger Verankerung. Ich glaube, dass
immer mehr Menschen eine Sehnsucht nach Wurzeln entwickeln.
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