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"Dieser Planet
zwingt uns zum Lernen"
ein
Interview mit dem Hamburger Systemforscher Prof. Dr. Wolf Dieter
Grossmann
über Wachstum, Wettbewerb und
Entwicklungschancen
in einer vernetzten und zunehmend komplexen
Welt |
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Inhalt.pdf >
. Textauszüge:
Der Begriff "kreuzkatalytisches Netzwerk"
(CCN)
bedeutet, dass man zwei oder mehr Elemente hat, welcher Art auch
immer, die
sich beide jeweils eigenständig gut entwickeln können und
einander in ihrer
Entwicklung unterstützen.
Wir haben
einmal mit meiner Gruppe analysiert, wo überall CCNs auftauchen,
und wir haben dafür
besonders erfolgreiche Individuen, Firmen, Ökosysteme unter die
Lupe genommen –
insgesamt rund 60 Systeme, und alle,
die besonders erfolgreich waren, haben
ohne Ausnahme als CCNs fungiert. Das hat uns sehr
verblüfft.
Man
mag den
Unterschied des Netzwerks gegenüber dem, der isoliert agiert,
für nicht sehr
gravierend halten. Und nun kommt die Mathematik ins Spiel. In unserem
Fall sagt sie folgendes:
der isolierte Einzelne kann „nur“ exponentiell wachsen, also mit
steigender Zuwachsrate, während ein
Netzwerk in der Mathematik
hyperbolisch wachsen kann.
Und das heißt: ein Netzwerk ist
jedem isolierten
Einzelnen so ungeheuer überlegen, dass es ihn vollkommen
hinter sich lässt und
abhängt, so dass er gegenüber dem Netzwerk völlig
chancenlos ist.
Ein CCN funktioniert unabhängig
davon, ob sich die Partner (Komponenten) in einem CCN aus Liebe,
Gewohnheit,
Dummheit, Tradition, Art der Organisation unterstützen. Mir
scheint, wenn es
aus Liebe erfolgt, sind die Ergebnisse am besten, weil die
Unterstützung dann
am weisesten und umfassendsten ist. Wir haben Untersuchungsergebnisse
gewonnen,
die in diese Richtung deuten.
***
Wir haben beides: gegenseitige
Wachstumsförderung und Wettbewerb. Wir haben die
wechselseitige Unterstützung,
und wir haben gleichzeitig das Phänomen, dass, sowie sich einer
irgendwie zur
Ruhe setzt, ein anderer, und zwar meist in Form eines Netzwerkes, kommt
und ihn
da rausschmeißt. Lernende
Einheiten gegen lernende
Einheiten. Das ist ein derart tief verwurzeltes Grundprinzip auf diesem
Planeten, dass wir – wenn schon Viren, Bakterien, Plasmodien das tun –
mitziehen
müssen. Brombeeren übrigens auch. Die entwickeln sich
evolutiv ziemlich schnell.
Wir können uns davon nicht ausschließen. Wir müssen
sagen: Wenn das so ist, dann lasst uns mal
das Beste draus machen.
***
Noch nie
konnten wir so viel Neues machen, so viele neue Aktivitäten
entwickeln wie in
der jetzigen Zeit. Weil wir so ein ungeheures Potenzial haben, Neues
auf den
Weg zu bringen. Und wenn unsere ganzen schwerfälligen Strukturen
in Wirtschaft,
Politik, Verwaltung nur dem Innovations-, Kreativitätsstreben
vieler Menschen
aus dem Weg gingen, und nicht mehr mit Bleifüßen darauf
stünden, dann würde es
uns schon deutlich besser gehen.
Und,
nicht wahr, man sagt doch: „Nur
Diamant schleift Diamant“. Wenn eine
Regierung etwas tun will für ihre
schwachen Mitbürger, dann muss sie die Kreativität
fördern und dafür sorgen,
dass sich Unternehmerpersönlichkeiten gut entwickeln können.
Denn wenn sie sich
gut entwickeln, dann brauchen sie Mitarbeiter, und die jagen sie den
Großen ab, und damit üben sie sozialen Druck auf
die Großen aus, sehr gut zu werden. Das wäre ein enormer
Mechanismus, der da in
Gang gesetzt wird - zu Gunsten der Arbeitnehmer.
***
Die organische Welt arbeitet mit 100%
Recycling-Kraft. Wir haben jetzt 60%, und
auf 90% zu kommen, ist uns unvorstellbar, und wenn die Natur mit 90%
arbeiten
würde, dann würde sie alle 10 Jahre alles verschleudert
haben, was sie benutzt.
Dann hätte sie in kürzester Zeit pleite gemacht. Aber die
Biosphäre arbeitet schon
ziemlich lange, nicht wahr?
Also, objektiv gemessen,
sind wir gegenüber der
Natur ungeheuer weit zurück, und wir müssen ja für 6
Milliarden Menschen
deutlich, deutlich effektiver werden, damit wir die unterhalten und
ernähren
können ...
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Dr.
Wolf Dieter Grossmann. Research
Fellow am Hamburg Institute of International
Economics . Adjunct Professor
of Climate and Society, University of Hawaii at Manoa . Visiting
Professor of
Qualitative Systems Science, University of Graz/Austria.
Wolf
Dieter Grossmann ist Autor des Buches “Entwicklungsstrategien
in der Informationsgesellschaft”.
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